Die Fahrräder der Hoffnung

Seit Jahren begleite ich ihn bei seinen Hilfsprojekten – eine Arbeit, die meine Seele trägt. Im letzten Winter widmete er sich ganz einem Kinderheim, und ohne es zu merken, rückte ich damit meinem alten Traum näher: Kindern ohne Familie ein Stück Geborgenheit zu schenken. Schon als Jugendliche wollte ich in einem Waisenhaus arbeiten oder selbst eines gründen, doch fehlten mir Zugang und Mittel. Nun sehe ich, wie mein Freund diesen Weg geht – und ich darf Teil davon sein. Oft erzählte er nachts von Kindern, die in Parks, auf Friedhöfen oder im Müll gefunden wurden. Jedes neue Kind im „Haus der Hoffnung“ war ein Stich ins Herz und zugleich ein Lichtblick. Mein Freund kämpft für sie wie ein Vater, der lieber auf sich verzichtet, damit sie ein würdiges Leben haben. Als einer unserer Jungen wegen eines Fahrrads heimlich weinte, wollten wir unbedingt eines besorgen. Für viele ist ein Fahrrad nur ein Gegenstand – für diese Kinder ist es Freiheit, Hoffnung, ein kleines Stück Welt. Durch die Kampagne „Weißer Tritt“ wurden inzwischen siebzehn Fahrräder zugesagt. In solchen Momenten spüre ich, dass die Welt noch Güte kennt. Unsere Kinder sind wissbegierig und kreativ. Einer sagte: „Gebt mir einen Laptop, kein Essen.“ Jetzt versuchen wir, Laptops und Tablets zu organisieren, damit sie lernen und wachsen können. Jeder Schritt für sie bringt uns Freude und Sinn. Das „Haus der Hoffnung“ bekommt eine Identität – und ich habe meinen Platz gefunden: Nicht indem ich ein eigenes Heim gründe, sondern indem ich diesen Kindern helfe, erfülle ich meine Aufgabe.

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